MICHELANGELO BUONARROTI – JOHANN SEBASTIAN BACH
Dieser Beitrag gilt zwei Persönlichkeiten, auf die alle diese Eigenschaften in gleicher Weise zutreffen. Meine Auswahl ist subjektiv. Zueinander haben Michelangelo und Bach keine direkten Berührungspunkte, – ich zu ihnen aber wohl. Es ist die Musik, die mich mit ihnen verbindet. Bei Bach ist das leicht nachvollziehbar, bei Michelangelo geschieht es über die Literatur, genauer: über Michelangelos Gedichte. Sie wurden von Hugo Wolf und Dimitri Schostakowich vertont. Von Wolf sind es drei Lieder, Schostakowich vertonte eine Suite von elf Liedern. Gemeinsam ist den Komponisten, dass sie die Lieder für Bass-Stimme und Klavierbegleitung schrieben. Ich hatte das Glück, diese Lieder in Konzerten singen zu dürfen.
Die Welt ist voll von außergewöhnlichen Menschen. Im Kleinen, wie im Großen. Jeder kann in vielfältiger Weise dazu kommen, etwas Außergewöhnliches zu tun. Achten Sie auf das tägliche Außergewöhnliche, – es ist immer um uns.


Michelangelo di Ludovico Buonarroti Simoni, im März 1475 in Caprese, Toscana, geboren und kurz vor seinem 89. Geburtstag in Rom gestorben, war einer der bedeutendsten Maler, Bildhauer, Architekten und Dichter der Renaissance. Als 13-Jähriger begann er in Florenz das Studium der Freskenmalerei, 14-jährig begann seine bildhauerische Ausbildung. Lorenzo di Medici war sein Gönner und Förderer. Mit 21 Jahren war er erstmals in Rom. Zwei gegensätzliche Werke seiner Bildhauerkunst stammen aus dieser Zeit: Eine Bacchus-Statue, für einen Kardinal gefertigt und die wunderbare Pietà im Petersdom. Nach fünf Jahren zurück in Florenz, erhielt er den Auftrag zur Schaffung der überlebensgrossen Statue des David. Rund 375 Jahre stand David auf öffentlichem Platz, bis er gegen eine Kopie ausgetauscht und das Original zu seinem Schutz in die Kunst-Akademie versetzt wurde, inzwischen wohl auch mit einem erdbebensicheren Sockel versehen.
Nachdem Michelangelo von 1508 an bereits die Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle ausgeführt hatte, erhielt er 1534 von Papst Clemens den Auftrag zum grossen Altarbild in der Sistina, dem Jüngsten Gericht. Ein Monumentalwerk von über 14 Metern Höhe, mit rund 200 dargestellten Personen. Es ist unmöglich, in der Kürze dieser Zeilen dem Werk Michelangelos auch nur annähernd gerecht zu werden. Ich habe auf drei seiner Hauptwerke hingewiesen, ‑Pietà, David, Jüngstes Gericht‑, und möchte noch auf den Dichter Michelangelo verweisen. Ob als feinsinniger Verehrer der Dichterin Vittoria Colonna, ob als sarkastischer Ankläger des Papstes Julius II, von dem er sich hintergangen fühlte, oder wortgewaltig in einem Sonett von 1512, quasi am Vorabend der Reformation, in welchem er die Ausbeutung der Frömmigkeit der Gläubigen durch Papst und Priester anklagt, stets beherrscht er das Wort. Seien Sie inspiriert und lesen Sie in einem beliebigen Buch über diese faszinierende „Outstanding-Persönlichkeit.“ Der Dichter Michelangelo soll mit einem Epigramm aus dem Jahr 1544 das Schlusswort haben:
Ihr glaubt mich tot. Doch dass die Welt ich tröste, leb‘ ich mit tausend Seelen weiter dort im Herz der Freunde. Nein, ich ging nicht fort: Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.
Johann Sebastian Bach, 1685 in Eisenach geboren und 1750 in Leipzig gestorben ist der bedeutendste Vertreter einer großen Musikerfamilie und gilt darüber hinaus für viele Berufsmusiker als der wohl größte Komponist der Musikgeschichte. In einer von ihm 1735 verfassten „musikalischen-Bachischen Familien-Chronik“ führt er 53 musikalisch tätige Familienmitglieder auf. Er war gleichermaßen Komponist und virtuoser Organist und wurde 1723 der berühmteste Kantor der Leipziger Thomaskirche, dabei ist es heute kaum vorstellbar, dass er nur die 3. Wahl für dieses Amt war. Zunächst wurde Georg Philipp Telemann gewählt, der aber absagte, nachdem er an seiner Wirkungsstätte in Hamburg eine Lohnerhöhung erhielt. In einer weiteren Kantorenprobe wurde Christoph Graupner, Kapellmeister in Darmstadt vorgezogen, doch dessen Landgraf verweigerte ihm die Entlassung, sodass er absagen musste und Bach schliesslich Thomaskantor und Musikdirektor über die 4 größten Kirchen Leipzigs wurde, ein Amt, das er während 27 Jahren, bis zu seinem Ableben ausübte. Es ist heute unvorstellbar, dass schon bald nach seinem Tod seine Werke in Vergessenheit gerieten, bis 1829 durch die Aufführung der Matthäus-Passion unter Felix Mendelssohn Bartholdy eine nahezu Bach-Euphorie ausbrach. Bachs musikalisches Schaffen umfasst ausser Oper alle Bereiche. Ob kirchliche oder weltliche Kantate, Oratorium, Messe, Passion, ob Instrumentalmusik, Werke für Orgel oder Cembalo, die berühmten Goldberg-Variationen und das Wohltemperierte Klavier, die Kunst der Fuge, seien erwähnt, die er noch in seinem letzten Lebensjahr überarbeitete und erweiterte, – der musikalische Nachlass von Johann Sebastian Bach ist überragend. Nach Bachs Verständnis sollte die Musik „zu Gottes Ehre und zur Reception des Gemüths seyn.“ Viele Kompositionen signierte er mit SDG, Soli Deo Gloria, Gott alleine die Ehre.

