Interview
Was hat Sie inspiriert, Fotograf zu werden?
Geschichtenerzählen und Bilder haben mich immer schon interessiert – sowohl einzeln als auch in ihrer Kombination, von klassischer Literatur über Malerei bis hin zu Graphic Novels und natürlich Fotografie. Fotografie war für mich die perfekte Verschmelzung all dieser Dinge, und ein Medium mit schier unendlichen Möglichkeiten.
Haben Sie eine Ausbildung in Fotografie abgeschlossen?
Ich habe die New England School of Photography in Boston besucht.
Welchen Aspekt Ihrer Arbeit würden Sie als so etwas wie Ihre persönliche Mission definieren?
Ob ich eine persönliche Mission habe, kann ich so nicht beantworten. Wie auch die Fotografie selbst, entwickeln sich mein Stil und meine Mission laufend weiter. Im Mittelpunkt steht für mich stets eine Vorstellung von Erinnerung und persönlicher Geschichte. Wenn wir das als Konstante betrachten wollen, hat meine Arbeit bisher viele Ausprägungen gefunden: als bildende Kunst, Dokumentar- und Reisefotografie, sogar als kommerzielle Fotografie. Dabei versuche ich aber immer, innerhalb meines Rahmens der Erinnerung und der persönlichen Geschichte zu bleiben.
Wie hat sich Ihre fotografische Arbeit im Laufe Ihrer Karriere entwickelt?
Ich finde mich heute mit meiner Arbeit viel besser zurecht als früher und habe wesentlich mehr Selbstvertrauen. Ich denke, das beruht auf Erfahrung. Meine Arbeit ist mit Sicherheit internationaler geworden – ich reise durch die ganze Welt, da ist das gewissermaßen unvermeidlich. Das gesamte Spektrum ist breiter geworden und weniger begrenzt, wobei vermutlich auch das auf Erfahrung und Alter zurückzuführen ist. Als Student versuchte ich meine Professoren zu imitieren, da sie damals mein unmittelbarer Einfluss waren. Als ich diese Stufe überwunden hatte, konnte ich meine Persönlichkeit als Fotograf entdecken und musste mich nicht mehr ausschließlich auf das verlassen, was ich als für Kunst‑, Dokumentar- oder redaktionelle Fotografie angemessen hielt. All das sind Disziplinen, die im schlechtesten Fall durch selbst auferlegte Einschränkungen und etwas Herdenmentalität an Qualität einbüßen.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Etwas dreckig mit kleinen Perlen der Perfektion unter all dem Schmutz.
Was war Ihrer Meinung nach die größte Revolution in der Welt der Fotografie?
Die Digitalfotografie war und ist bahnbrechend und wird es auch weiterhin bleiben. Meine Lernkurve wurde damit halbiert, und mein Werdegang als Fotograf verlief wesentlich schneller, als ich es mir jemals erwartet hatte.
Sie fotografieren interessante Persönlichkeiten. Nach welchen Kriterien wählen Sie sie aus?
Ich unterscheide nicht zwischen den Menschen, die ich fotografiere. Jeder Mensch sieht einzigartig aus, hat eine einzigartige Sicht der Welt und eine einzigartige Art, auf die Welt zu reagieren – all das versuche ich in meinen Porträts festzuhalten.
Werden Ihre Werke ausgestellt, und wenn ja, wo?
Meine Arbeiten wurden über die Jahre in vielen Sammelausstellungen gezeigt, und ich verhandle derzeit mit zwei Galerien in Boston über eine Soloausstellung später im Jahr.
Welches Foto eines anderen Fotografen finden Sie besonders interessant?
Ich bin ein großer Fan von Sally Mann, und einige ihrer Bilder von ihrer Familie und ihren Töchtern sind so übernatürlich schön, dass ich meine Arbeit einfach an den Nagel hängen möchte.
Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt, und wie werden Ihre nächsten Schritte in Punkto Fotografie aussehen?
Ich würde liebend gerne mit meinen bestehenden Kunden weiterarbeiten und selbstverständlich neue dazu gewinnen. Was mich persönlich betrifft, so würde ich meine Arbeit gerne weiter entwickeln. Ich möchte mehr mit Film und Polaroids arbeiten und alte Verfahren und Techniken ausprobieren. Außerdem wünsche ich mir die Zeit, etwas esoterischere und tiefgreifendere Ideen auszuarbeiten. Und natürlich wäre es wunderbar, wenn ich ein noch breiteres Publikum erreichen könnte.


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